Quelle: RP Online 21. Februar 2022 / Von Beate Wyglenda 

Sonsbecker Brudermeister tritt nach 36 Jahren zurück

Matthias Broeckmann tritt nach 36 Jahren als Brudermeister der Sonsbecker St.-Marien-Jungschützen den Vorsitz ab. Um eine Nachfolge macht sich der 55-Jährige keine Sorgen. Er sieht die Bruderschaft aber vor herausfordernden Zeiten.

Kaum jemand hat die jüngere Geschichte der St.-Marienbruderschaft so geprägt wie er. Er war schon Lakai, ebenso wie König, er schwenkte viele Jahre die Fahne und schwing noch längere Zeit die Reden. Sein Gesicht steht aber vor allem für ein Amt der Sonsbecker Jungschützen: für das des Brudermeisters, des Vorsitzenden, der Person, die einen Verein voranbringt. Und das hat Matthias Broeckmann 36 Jahre lang erfolgreich getan. In Zeiten, als die Bruderschaft kurz vor der Auflösung stand, setzte er auf neue Wege. Auf eine Öffnung auch für verheiratete Mitglieder zum Beispiel, auf Kooperationen mit anderen Schützenvereinen. Nun steht das Schützenwesen wieder vor herausfordernden Zeiten. Doch nun macht Matthias Broeckmann den Weg für neue Ideengeber frei. Er tritt als Vorsitzender der St.-Marienbruderschaft zurück. Am Freitag, 25. Februar, wird bei der Jahreshauptversammlung sein Nachfolger gewählt. 

 

„Ich wollte zu einem Zeitpunkt Schluss machen, an dem noch alle sagen: ,Schade, dass er geht‘ und nicht: ,Gut, dass er endlich weg ist‘“, scherzt Broeckmann. Eigentlich sah er für sich schon vor zwei Jahren diesen Zeitpunkt gekommen. „Aber dann wollte ich die 35 Jahre doch noch voll machen“, erzählt der Brudermeister. Dann kam Corona. Die Jahreshauptversammlung 2021 fiel aus. Und Broeckmann legte noch ein Jahr obendrauf.

 

Loyalität bewies er schon seit seinem Beitritt. Mitglied wurde er 1981, als die 1307 gegründete Marienbruderschaft gerade in einer Krise steckte. „Damals hatte der Verein nur noch ein Dutzend Mitglieder“, erinnert sich Broeckmann. Als die Sonsbecker Vereine zur Kirmes zum Schießstand marschieren wollten, traten die Junggesellenschützen gar nicht erst an. „Ihnen war es zu peinlich, nur mit ein paar Männekes mitzulaufen“, erzählt Broeckmann. Er selbst war damals im Spielmannszug Fidelitas aktiv, erlebte von außen den traurigen Auftritt. Am Schießstand kam er dann aber mit ein paar Mitgliedern ins Gespräch. „Ich habe mich immer für das Schützenwesen interessiert“, sagt Broeckmann. Schon sein Vater war ein Schütze und König, ebenso wie seine beiden Großväter. Am Ende des Abends beschloss der Sonsbecker, sich der Familientradition anzuschließen.

 

Und fortan engagierte sich Broeckmann auch dafür, neue Kameraden für den Verein zu gewinnen. Jeder machte in seinem Freundeskreis Werbung“, so der 55-Jährige. Auch in Kegelclubs, Sportvereinen, der Landjugend und anderen Gruppen wurde nach neuen Mitgliedern gefischt. „Manchmal hatten wir Glück und eine ganze Clique trat den Jungschützen bei“, erzählt Broeckmann. Die Mitgliederzahlen erholten sich langsam. Und als 1986 die Frage nach einem neuem Vorsitzenden aufkam, erntete Broeckmann ungeteilte Zustimmung. „Ich wollte mich so für den Fortbestand des Vereins weiter einsetzen“, sagt der Brudermeister. Die Organisation habe ihm schon immer gelegen. Also kümmerte sich der Sonsbecker darum, wieder regelmäßig ein Patronatsfest zu feiern. Ende der 80er wurde zudem die Regel aufgehoben, dass nur Junggesellen Mitglied sein durften. „Vorher war mit der Heirat Schluss.“ + Nicht nur hinter den Kulissen, auch in vorderster Reihe engagierte sich Broeckmann. Als er 1989 zum Schützen-Galaball traditionell die Rede halten sollte, machte sich der Zeitsoldat extra vom Unteroffizierslehrgang in Idar-Oberstein nach Sonsbeck auf. Mehr als drei Stunden Autofahrt pro Strecke und am gleichen Abend ging‘s wieder zurück. „Vom Ball hatte ich nicht so viel, aber ich glaube, die Rede kam gut an“, scherzt der 55-Jährige.

 

1991 wurde er dann selbst König. Ein tolles Erlebnis, wie Broeckmann betont. Das Festzelt sei rappelvoll gewesen, selbst seine Bundeswehr-Kollegen seien gekommen. Die Sonsbecker Feuerwehr, in der Broeckmann ebenfalls seit 40 Jahren Mitglied ist, sei zur Parade angetreten. Und Kassierer Ralf Laarmanns lernte eigens für dieses Schützenfest das Fahnenschwenken, um den Brudermeister zu vertreten. Broeckmann erinnert sich gerne an diese Festzeit. + Mit entsprechender Wehmut blickt er auf die vergangenen zwei Jahre zurück, als wegen der Corona-Pandemie kein Schützenfest stattfinden konnte. Ob es in diesem Jahr möglich sein wird, kann Broeckmann nicht sagen. „Aber wer will unter solchen Bedingungen schon König werden“, sagt er. Dabei sei es ohne einen Würdenträger schwierig, ein Fest auszurichten. Die Jungschützen erlebten diese Situation erst 2018. Das Interesse an dem Fest sei selbst in Sonsbeck begrenzt gewesen, das Zelt blieb halb leer.

 

Generell, so Broeckmann, wird es für viele Schützenvereine schwieriger, Ämter zu besetzen. Nicht nur auf dem Thron, auch im Vorstand. „Meist machen es doch immer die gleichen Leute“, sagt der Brudermeister. Deshalb gebe es immer wieder mal Überlegungen, Vereine zusammenzuschließen. „Aber ich fände es schade, wenn dabei die Eigenheiten und Traditionen jeder einzelnen Bruderschaft verloren gingen“, sagt Broeckmann. Zudem garantiere das kein größeres Engagement, ergänzt er. 

 

Wie diese neuen herausfordernden Zeiten bewältigt werden können, will der Brudermeister nun aber neuen Ideengebern anvertrauen. Um seine eigene Nachfolge macht er sich jedenfalls keine Sorgen. „Ich gehe zuversichtlich in die Jahreshauptversammlung“, sagt er. „In all den Jahren habe ich eines gelernt: Wenn es drauf ankommt, dann halten doch alle zusammen.“ Nur an eines müsse er sich dann noch gewöhnen, wie er erklärt: „Ich glaube, das erste Fest, bei dem ich nicht die Rede halten werde, wird ganz schön seltsam sein.“

Bericht Rheinische Post 16.07.2012

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